Haben blinde und sehbehinderte Personen eine bessere Geruchswahrnehmungsfähigkeit als Sehende?

Untertitel:Die olfaktorische Wahrnehmungsfähigkeit von blinden, sehbehinderten und sehenden Personen im Vergleich
Autoren:Eberhard, Julia; Majchrzak, Dorota
Abstrakt:Es wird oft berichtet, dass blinde Menschen einen überdurchschnittlich guten Riech-, Hör-, und Tastsinn haben. Das Ziel der vorliegenden Masterarbeit war es festzustellen, ob die olfaktorische Wahrnehmungsfähigkeit bei Blinden und Sehbehinderten besser ist als bei sehenden Personen. Dafür wurden 199 Personen untersucht, davon 99 (52 Frauen, 47 Männer) Blinde und Sehbehinderte zwischen 7 und 89 Jahren und 100 (45 Frauen, 55 Männer) sehende Probanden im Alter von 8- 82 Jahren. Die Geruchswahrnehmungsfähigkeit der Probanden wurde mit einem Geruchsidentifikations- und Geruchsdiskriminationstest der Firma Burghart („Sniffin´ Stick“-Sets) durchgeführt. Beim Geruchsidentifikationstest ließen sich nur bei den „Sniffin´ Sticks“ Zimt, Banane, Lakritz, Terpentin und Kaffee signifikante Unterschiede (p<0,05) zwischen den Probandengruppen feststellen. Sehende Probanden schnitten fast immer besser ab als Blinde und Sehbehinderte. Bei allen anderen Riechstiften gab es keine signifikanten Unterschiede. Die Anzahl der durchschnittlich erkannten Gerüche war in beiden Gruppen gleich – jeweils 13 Gerüche von 16 Dargebotenen wurden richtig identifiziert. Es wurden auch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt. Sowohl in der Untersuchungs- als auch in der Kontrollgruppe erkannten Männer und Frauen durchschnittlich 13 „Sniffin´ Sticks“ richtig. Die Ergebnisse des Geruchsdiskriminationstests zeigten, dass Blinde und Sehbehinderte durchschnittlich 11 und sehende Probanden 12 von 16 angebotenen Stiftetripletts richtig unterscheiden konnten. Die Differenz war jedoch nicht signifikant. Als nicht signifikant ergaben sich auch die Unterschiede zwischen Männer und Frauen der beiden Gruppen. Durch das Aufteilen der Probanden in die Altersgruppen ergab die detaillierte Auswertung, dass die Ausprägung der olfaktorischen Wahrnehmungsfähigkeit der blinden und sehbehinderten Probanden bis zum 50. Lebensjahr gestiegen ist. Ab dem 51. Lebensjahr nahm sowohl die Identifikation als auch die Diskrimination der Gerüche ab. Bei sehenden Probanden stieg die Anzahl der richtig identifizierten und diskriminierten Gerüche bis zum 18. Lebensjahr. Jedoch nahm diese schon ab der Alterskategorie 18- 50 Jahre leicht ab. Die Korrelationen ergaben sich aber als nicht statistisch signifikant. Schlussfolgernd lässt sich zusammenfassen, dass durch eine Sehbehinderung bzw. Erblindung der Geruchssinn nicht stärker ausgeprägt war.
Sprache:Deutsch
Publikationsdatum:8.11.2013
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Publikationstyp:Poster
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