Dipl. oec. troph. Dr. Georg Hoffmann, Privatdoz.
Forschungsbereich Evidenzbasierte Ernährungswissenschaften
Der Fokus von Dr. Georg Hoffmann, Privatdozent liegt auf Evidenzbasierten Ernährungswissenschaften. Systematische Reviews können als übergreifende Zusammenfassung der aktuell vorhandenen relevanten wissenschaftlichen Evidenz zu einem bestimmten Forschungsthema verstanden werden. In vielen Teilbereichen der Gesundheitswissenschaften werden systematische Reviews als wichtiges Werkzeug zur Evaluierung von Interventions- und Beobachtungsstudien sowie zum Transfer der zugehörigen Ergebnisse in Evidenz-basierte Wissenschaft und Medizin genutzt. Ein häufig genutztes Element des systematischen Reviews ist die statistische Synthese der individuellen Datenbestände der einzelnen inkludierten Studien in Form einer Metaanalyse. Dieses Tool soll als transparentes, objektivierbares und reproduzierbares Gerüst eines systematischen Reviews angewendet werden. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt lag auf der Untersuchung zur optimalen Zusammensetzung von Makronährstoffen in unserer Nahrung. Diese beeinflusst nicht nur die Entstehung und Entwicklung verschiedener, ernährungs-mitbedingter nicht übertragbarer Krankheiten wie Typ 2 Diabetes mellitus oder kardiovaskulären Erkrankungen (im Sinne einer sekundären Prävention). Es ist auch davon auszugehen, dass die Makronährstoff-Zusammensetzung Auswirkungen auf das Gewichtsmanagement und die Primärprävention von Übergewicht und Adipositas hat. Mit Hilfe von Metaanalysen und systematischen Reviews konnten in der Vergangenheit bereits die Effekte von Variationen in der Makronährstoff-Zusammensetzung in Diäten mit dem Zweck der Gewichtsregulation sowie der primären und sekundären Prävention von Krankheiten mit Ernährungseinfluss untersucht werden.
Projekte
Nahrungsergänzungsmittel und ihre Auswirkungen auf nicht übertragbare Erkrankungen
Die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) ist weit verbreitet, in den USA werden jährlich ca. 39 Mrd. US$ mit "supplements" umgesetzt. In Deutschland geben in Umfragen ein Drittel der Teilnehmer an, NEM zu konsumieren, womit ein jährlicher Umsatz von ca. 1,1 Mrd. Euro erzielt wird. Der entsprechende Umsatz in Österreich wird auf 100 Mio. Eur jährlich geschätzt. Ihren "schlechten Ruf" verdanken Nahrungsergänzungsmittel in erster Linie Metaanalysen, aus denen hervorgeht, dass der Konsum dieser Produkte im Hinblick auf klinische Endpunkte zu keiner Verbesserung führt bzw. im schlimmsten Fall sogar mit einer erhöhten Inzidenzrate verschiedener Erkrankungen (z.B. Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und einer höheren Mortalitätsrate einhergeht. Die Typen von Nahrungsergänzungsmitteln und die beobachteten Outcome-Parameter sind in diesen Studien jedoch limitiert. Es fehlen umfassendere Analysen mit Berücksichtigung weiterer NEM und klinischer Outcomes. Die Durchführung solcher Studien soll neben kardiovaskulären Ereignissen verschiedene Krebs- und Stoffwechselerkrankungen berücksichtigen. Falls die Datenlage ausreichend homogen ist, soll die Auswertung neben der "klassischen" paarweisen Gegenüberstellung auch eine Netzwerk-Meta-Analyse beinhalten. Ziel ist es, detaillierte Evidenz-basierte Informationen über Effizienz und Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln zu gewinnen. Die Fortführung solcher Untersuchungen kann die Einbeziehung weiterer nicht-übertragbarer Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes mellitus sowie weiterer Outcome-Parameter beinhalten. Neben den klinischen Endpunkten interessieren uns auch die möglichen Effekte von NEM auf "intermediäre Phänotypen" i.S.v. möglichen Biomarkern, aus denen sich weitere Entwicklungen des Gesundheitsstatus ableiten lassen (z.B. Telomerlänge oder Telomeraseaktivität).
Auswirkung von "dietary patterns" auf den Menschen
Zahlreiche Studien weisen auf einen günstigen Effekt des regelmäßigen Verzehrs bestimmter Lebensmittelgruppen hin, v.a. ballaststoffreiche Kost, Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte. Zieht man auf Langzeituntersuchungen angelegte Kohortenstudien zu Rate, ergeben sich deutliche Korrelationen u.a. mit kardiovaskulären Erkrankungen, Typ 2 Diabetes mellitus oder Krebserkrankungen. Den genannten "positiven" Lebensmittelgruppen stehen mit rotem und verarbeitetem Fleisch oder zuckergesüßten Getränken negativ konnotierte Lebensmittelgruppen gegenüber, deren überreichlicher Konsum die Gefahr der Entstehung einer der erwähnten Krankheiten erhöht. Berücksichtigt man positive und negative Aspekte, ergibt sich häufig eine gesunde Ernährung in Form eines diätetischen Musters (dietary pattern) wie z.B. der Mediterranen Diät oder der DASH-Diät. Die Betrachtung kompletter Lebensmittelgruppen innerhalb eines diätetischen Musters ist komplexer als ein Fokus auf einzelne Nährstoffe. Trotzdem kann auch in diesem Fall durch eine systematische Vorgehensweise und meta-analytische Gesamtbetrachtung der vorhandenen Daten der Einfluß eines Diätmusters auf klinische Endpunktmarker (Mortalität, kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs etc.) oder Biomarker (Telomerlänge, Telomeraseaktivität) erfasst werden.
Publikationen
Wallerer S, Stadelmaier J, Floegel E, Kiesswetter E, Bantle G, Hoffmann G et al. Adherence to Mediterranean Diet and Risk of Type 2 Diabetes: An Updated Systematic Review and Dose-Response Meta-analysis. Advances in Nutrition. 2025 Nov. 13;16(12):100562. Epub 2025 Nov. 13. doi: 10.1016/j.advnut.2025.100562
Wallerer S, Papakonstantinou T, Morze J, Stadelmaier J, Kiesswetter E, Gorenflo L et al. Association between substituting macronutrients and all-cause mortality: a network meta-analysis of prospective observational studies. EClinicalMedicine. 2024 Sept.;75:102807. doi: 10.1016/j.eclinm.2024.102807
Schwingshackl L, Hoffmann G. Dietary Patterns in Asia: Current Evidence and Future Directions. Advances in Nutrition. 2024 Juli;15(7):100250. doi: 10.1016/j.advnut.2024.100250
Trauchburg A, Schwingshackl L, Hoffmann G. Association between Dietary Indices and Dietary Patterns and Mortality and Cancer Recurrence among Cancer Survivors: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis of Cohort Studies. Nutrients. 2023 Juli 14;15(14):3151. doi: 10.3390/nu15143151
Beyerbach J, Stadelmaier J, Hoffmann G, Balduzzi S, Bröckelmann N, Schwingshackl L. Evaluating Concordance of Bodies of Evidence From Randomized Controlled Trials, Dietary Intake and Biomarkers of Intake in Cohort Studies: A Meta-Epidemiological Study. Advances in Nutrition. 2022 Jan. 1;13(1):48-65. Epub 2021 Juli 26. doi: 10.1093/advances/nmab095
Georg Hoffmann
Privatdoz.
Josef-Holaubek-Platz 2 (UZA II)
1090 Wien
Raum: 2E503
+43-1-4277-54950
1962 geboren in München, Germany
1982 – 1989 Masterabschluss in Ernährungswissenschaften, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
1989 – 1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Medizinische Poliklinik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
1992 Doktor der Ernährungswissenschaften
1993 – 2003 Assistenzprofessor, Institut für Physiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
2000 Befähigung zur Hochschullehre, Physiologie (Habilitationsschrift)
2003 – 2008 Forschungsleiter, Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus
2008 – 2012 Außerordentlicher Professor, Private Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie, Hall
2012-2015 Professor (§99), Ernährungswissenschaften, Universität Wien
seit 2015: Senior Lecutrer, Department fü Ernährungswissenschaften, Universität Wien