Kurzzeiteffekte einer mehrmonatigen Sinnesschulung bei Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 14 Jahren in Österreich

Autor(en)
Marlene Wahl, Dorota Majchrzak
Abstrakt

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass die Förderung der sensorischen Wahrnehmungsfähigkeiten durch ein gezieltes Training der Sinne, besonders bei Kindern und Jugendlichen, einen Beitrag zu einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährungsweise und somit zur Gesundheitsförderung leisten kann.
In der präsentierten Arbeit wurde der Einfluss einer 6-monatigen Sinnesschulung auf die olfaktorische (Geruchsidentifikation mit Sniffin` Sticks der Firma Burghart) und gustatorische (Erkennung der fünf Grundgeschmacksarten nach DIN 10961) Wahrnehmungsfähigkeit bei 258 Schulkindern im Alter zwischen 11 und 14 Jahren in Österreich untersucht.
Nach einer Baseline Erhebung, bei der sowohl in der olkfaktorischen, als auch der gustatorischen Wahrnehmungsfähigkeit Defizite bei den untersuchten Kindern festgestellt werden konnten (Wahl & Majchrzak, 2018), wurde mit einem Teil des Studienkollektives (Schulungsgruppe) eine mehrmonatige Sinnesschulung durchgeführt, die in das Unterrichtsfach Ernährung und Haushalt integriert wurde. Schülerinnen und Schüler ohne Schulung bildeten die Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse der Follow up Evaluierung, die innerhalb eines Monats nach der Sinnesschulung durchgeführt wurde, zeigten in der Schulungsgruppe eine signifikante Verbesserung (p < 0,001) der gustatorischen Wahrnehmungsfähigkeit (Steigerung der Mittelwerte = MW von 1,80 ± 1,30 auf 2,88 ± 1,52), während in der Kontrollgruppe keine relevanten Effekte beobachtet werden konnten (Steigerung der MW von 1,82 ± 1,41 auf 1,95 ± 1,46). Ebenso zeigte die Schulungsgruppe eine signifikante Steigerung beim Erkennen der einzelnen Grundgeschmacksarten umami (p < 0,001), sauer (p < 0,001), salzig (p < 0,05) und bitter (p < 0,05). Eine moderate Verbesserung der olfaktorischen Wahrnehmungsfähigkeit konnte in beiden untersuchten Gruppen festgestellt werden, wobei der Unterschied zwischen den Kollektiven bei den richtig identifizierten Gerüchen nicht signifikant war (Steigerung der MW in der Kontrollgruppe von 11,2 ± 1,98 auf 11,5 ± 1,80 und von 11,4 ± 1,90 auf 11,5 ± 1,88 in der Schulungsgruppe) und eventuell auf die sensorische Stimulation selbst zurückgeführt werden kann.
Die Ergebnisse der durchgeführten Evaluierung zeigen deutlich, dass eine Schulung der Sinne bei Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 14 Jahren eine Steigerung der gustatorischen und olfaktorischen Wahrnehmungsfähigkeit bewirken kann. Der kurzzeitige Einfluss, der durch die praktische Auseinandersetzung mit den Sinnen erreicht werden konnte, stimuliert und schärft die sensorische Wahrnehmungsfähigkeit, was womöglich auch einen andauernden Effekt erzielen und so zu einem bewussterem Ernährungsverhalten beitragen kann.

Organisation(en)
Department für Ernährungswissenschaften
Publikationsdatum
10-2019
Peer-reviewed
Ja
ÖFOS 2012
303009 Ernährungswissenschaften
Schlagwörter
Link zum Portal
https://ucris.univie.ac.at/portal/de/publications/kurzzeiteffekte-einer-mehrmonatigen-sinnesschulung-bei-schulerinnen-und-schulern-im-alter-von-11-bis-14-jahren-in-oesterreich(286690e8-02d3-4e1e-aff0-e9777d8e9bb0).html